Neun imaginäre Landschaften — keine Orte, sondern Gefühle. Sie entstehen, während man hinschaut, und vergehen wieder.
Mit einfachen Mitteln gemalt: Acrylfarbe, kleine Formate, primitive Rahmen. Die sichtbare DIY-Ästhetik ist Absicht, kein Mangel. Diese Bilder wollen nicht beeindrucken wie die perfekte Kunstwelt, sie wollen berühren.
Die Regenbögen darin stehen nicht für oberflächliche Fröhlichkeit. Sie stehen für Transformation — ein Regenbogen entsteht ja erst dort, wo Helles und Schweres aufeinandertreffen, Licht und Wasser. Genau deshalb kommen sie, gehen wieder und lösen manchmal das Gegenteil von dem aus, wofür sie stehen.
Darum geht es in dieser Serie: um das Positive, auch und gerade dort, wo es nicht auf den ersten Blick liegt. Aus Chaos wird Harmonie, aus Fragmenten werden ganze Welten. Neun Fenster in eine Parallelwelt, in der Fantasie mehr zählt als Perfektion und Hoffnung mehr als Zynismus.
1 — Auftakt (oben links)
Ein Bogen steigt auf, Rot, Orange, Gelb, dahinter öffnet sich weites Land. Ob der Tag anfängt oder schon vergeht, lasse ich offen — beides wäre schön. Für mich ist das der Moment davor, in dem noch alles möglich ist.
2 — Alles gleichzeitig (oben Mitte)
Hier überlagert sich alles, wie in einem Traum, in dem drei Orte gleichzeitig existieren. Ein Tal hinter dem nächsten, Bögen über Bögen, Mint, Flieder, Rosa. Ein Weg hindurch fehlt, weil keiner nötig ist. Man ist schon da.
3 — Bau’s dir selbst (oben rechts)
Farbfelder, hart nebeneinander: Koralle, Türkis, Gelb. Wer daraus eine Wiese macht, ein Wasser, ein Dach — der macht das selbst. So arbeitet Erinnerung: Die Farben bleiben, die Umrisse gehen, und trotzdem weißt du, wo du warst.
4 — Am Rand (Mitte links)
Der Bogen kommt aus der unteren Ecke und läuft oben aus dem Bild. Ich zeige nur den Ausschnitt. Die Landschaft geht weiter, wo der Rahmen aufhört — das Schönste liegt oft knapp außerhalb des Blicks, und man ahnt es bloß.
5 — Tor (Mitte Mitte)
Der kräftigste Bogen der Serie, und in seiner Mitte öffnet sich das Bild wie ein Durchgang. Kein Regenbogen zum Anschauen, einer zum Hindurchgehen. Dahinter ein heller Horizont. Manchmal ist das Ende eines Weges nur der Anfang des nächsten.
6 — Feld (Mitte rechts)
Oben Ruhe, unten wimmelt es — hunderte kurze Striche in Türkis und Koralle, ein Garten aus der Nähe. Blätter, Tropfen, kleines Getier. Nichts davon ist sauber gemalt, das ist Absicht. Das Gute steckt selten im großen Ganzen, meistens unten am Rand.
7 — Umlaufbahn (unten links)
Große kreisende Linien wie Bahnen um einen fremden Planeten, darunter ein Streifen Land. Ich hab weit rausgezoomt, bis die Landschaft klein wird und der Himmel riesig. Von hier oben sieht sogar das Schwere leicht aus.
8 — Zerzaust (unten Mitte)
Unten ein klarer Bogen, darüber bricht die Farbe senkrecht nach oben weg, Streifen, Spuren, Unruhe. Der Regenbogen nach dem Sturm — kein glatter, makelloser, sondern ein verletzlicher, der sich gegen das Chaos durchsetzt. Genau darum mag ich ihn: Auch aus dem Durcheinander kommt wieder Farbe.
9 — Fast nichts (unten rechts)
Das leiseste Bild. Verwaschene Flächen wie Nebel oder ferne Berge, unten ein paar kleine Bögen, die man kaum sieht. Eine Landschaft, die es vielleicht nur in der Vorstellung gibt. Der friedlichste Ort ist oft der, den man sich selbst ausdenkt.